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Titelblatt der Ausgabe von Matthias Hupfuff, gedruckt in Straßburg 1506

Friedrich-Alexander - Universität Erlangen-Nürnberg

DFG

Herzlich Willkommen auf dem Webauftritt des DFG-Projekts "Die 'Melusine' des Thüring von Ringoltingen in der deutschen Drucküberlieferung von ca. 1473/74 bis ins 19. Jahrhundert - Buch, Text und Bild".

Projektbeschreibung

Im Mittelpunkt des Projekts steht der Prosaroman "Melusine" des Thüring von Ringoltingen als gedrucktes Buch wie es der spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Buchhändler plante, verlegte und vertrieb und wie es der Käufer und Leser in Händen hielt und rezipierte. Arbeitsgrundlage ist die Erfassung, Beschreibung und Analyse der Drucküberlieferung vom Basler Erstdruck des Druckerverlegers Bernhard Richel um 1473/74 bis zum Ende der 'Volksbuch'-Ausgaben im 19. Jahrhundert. Die Analyse schreibdialektaler, stilistischer und rhetorischer Kennzeichen, der Art und Funktion der Bilder (Bildzyklen) im Buch und auf dem Titelblatt, ihrer Ikonographie, der Rolle der verschiedenen Bildurheber und Produzenten im Buchherstellungsprozess sowie die Ausstattung und Typographie des Buches, welche die gesamte Materialität des Buchkörpers umfasst, ist das forschungsrelevante Gesamtziel. Über vier Jahrhunderte hinweg sollen die Wechselwirkungen zwischen Buchproduktion, Buchgestalt, Textgestalt, Lesen und Leser erschlossen werden. Zum ersten Mal wird damit die Buch-, Text- und Illustrationsgeschichte eines populären Lesestoffs einen solch langen Zeitraum hinweg nachgezeichnet.

Das Projekt ist interdisziplinär angelegt: Buchwissenschaft (Buchgestaltung, Buchhandel, Publikum und Markt), Lesegeschichte (Layout, Leseweisen und Lektürepraktiken), Sprachgeschichte (Sprachwandel vom 15. bis 19. Jahrhundert, Textorganisation, Druckersprachen) und Kunstgeschichte (Bild- und Mediengeschichte, Text-Bild-Beziehungen, Bild-Lektüre; Transferprozesse) bringen ihre jeweils spezifischen Fragen und Methoden ein. Dabei versucht das Projekt neben der interdisziplinären Verankerung auch Beiträge zu bislang vorhandenen Forschungsdesideraten der jeweiligen Fachdisziplin zu leisten, so etwa in der Medien- und Sprachgeschichte zur Erforschung der frühen Offizinen und Druckersprachen oder der Buch- und Textgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts und in der Kunstgeschichte zur bislang kaum beachteten Entwicklung der Buchillustration im populären Schrifttum. Der hier verfolgte Ansatz ist insofern neu, als die Materialität von Buch, Text und Bild aus dem Blickwinkel dreier Disziplinen im Fokus steht. Eine mögliche vierte Disziplin, die Literaturwissenschaft, die sich bislang zweifellos am intensivsten um eine literaturwissenschaftliche wie -soziologische Positionierung von Prosaromanen wie der "Melusine" bemühte, wird aus diesem Grund bewusst ausgeklammert.

Übergeordnetes Ziel, das die beteiligten Disziplinen einbindet, ist jedoch die Analyse der Wechselwirkungen zwischen der Materialität der Überlieferung der "Melusine", Lektürepraktiken, Leseweisen und Publikum. Für ähnlich gelagerte Studien könnte das Projekt bzw. seine Ergebnisse somit fallstudienartigen Charakter beanspruchen. Die "Melusine" bietet sich als Text der 'longue durée' hierfür in besonderem Maße an, da die dichte und im Untersuchungszeitraum kontinuierliche Drucküberlieferung, noch auf der Handschriftenzeit fußend, fast vier Jahrhunderte umfasst. Als fiktional-unterhaltendes Werk mit moralisierender 'Nützlichkeitsabsicht' ist der Text für vielfältige 'Funktionalisierungen' und individuelle 'Repräsentationen' durch den Leser offen. Zunächst ist der Rezeptionsraum (wirtschaftlich, kulturell und geographisch) des Prosaromans an städtische Eliten gebunden. Spätestens seit Ende des 16. Jahrhunderts mit einer zunehmenden Anonymisierung von Autor, Buchproduzent ("gedruckt in diesem Jahr") und mit speziellen Herstellern, Vertriebs- und Verbreitungsformen geht der Text in Rezeptionsräume über, die noch genauer zu analysieren sind.

Das Untersuchungskorpus umfasst, wie bereits erwähnt, die gesamte Überlieferung der "Melusine" vom Basler Erstdruck (um 1473/74) bis zum Auslaufen der Ausgaben als populäres Kleinschrifttum in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Der Endpunkt ist wegen der lückenhaften bibliographischen Aufarbeitung zur Zeit nicht präzise zu bestimmen. Mit dem Übergang von einem losen Kanon 'volkstümlicher' populärer Literatur zu den Sammlungen und Reihen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wechselt die "Melusine" in das Lesepublikum einer gebildeten, einem nationalromantischen Mittelalterbild anhängenden Oberschicht. Die pseudoromantischen Bearbeitungen und 'volkstümlichen' Stilisierungen bzw. die Ausgaben, die im Wissenschaftsdiskurs der frühen Germanistik entstehen (u.a. Gustav Schwab, Karl Simrock), werden hier nicht einbezogen, ebenso wenig wie die zahlreichen Zeugnisse einer 'produktiven Mittelalter-Rezeption', die den Stoff zum Ausgangspunkt nehmen. Das Untersuchungskorpus orientiert sich an den von Thüring von Ringoltingen gesetzten Werkgrenzen. Diese Einschränkung geschieht aus sachlichen und methodischen Gründen, da die u.a. diachronisch-vergleichende, interdisziplinär eng verzahnte Zielstellung nur auf der Basis vergleichbaren Materials greift.

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Zeitrahmen

Das Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zunächst im Normalverfahren vom Dezember 2007 bis November 2009 gefördert. Die Verlängerung läuft im März 2011 aus.

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Webdienst

Die Plattform für den Webauftritt wird im Rahmen der Webdienstleistungen bereit gestellt vom Regionalen Rechenzentrum Erlangen Nürnberg.
Das Markup und das Design dieser Baustellenseite wurde dem Web-Baukasten der Universität entnommen.

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